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Wesersprünge

Neue Fuß- und Radverkehrsbrücken für Bremen

Visualisierung des Wesersprung Mitte © SKUMS/Hinrichs/Studio B/Schmoll

Bremen ist eine Stadt am Fluss. Die Weser prägt die Stadt – aber sie trennt auch die Stadtteile zu beiden Seiten. Heute bündeln fünf Brücken, konzentriert auf das Stadtzentrum, die Wege mit dem Fahrrad über die Weser, aber auch Fähren ermöglichen die Überfahrt. Zur besseren Verbindung von Menschen und Quartieren links und rechts der Weser werden neue Brücken für Fußgänger:innen und Radfahrende über die Weser geplant. Konkret sind „Wesersprünge“ = Weserquerungen in drei Korridoren geplant: im Osten, in Mitte und im Westen. Damit entstehen kurze Wege für eine bessere Verknüpfung der Infrastrukturen und Nutzungen. Dies umfasst u. a. Wohnen, Arbeiten, Bildungsangebote, Angebote des alltäglichen und periodischen Bedarfs, Arbeitsplätze, Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Naherholungsräume. Die Vernetzung fördert die Nutzung des Fahrrads im Alltag und in der Freizeit, stärkt die Nahmobilität und ist damit ein wichtiger Baustein für die Verkehrswende. Die Barrierewirkung der Weser wird überwunden und neue Potenziale werden erschlossen.

Wesersprung Ost – Korbinsel-Brücke

Beispielhafte Visualisierung des Wesersprung Ost – Korbinselbrücke © ASV/pb+/BPR/Westphal Architekten

Am südlichen Stadtrand soll der Wesersprung Ost die Ortsteile Arsten und Habenhausen mit dem Stadtteil Hemelingen im Bereich der Korbinsel verbinden. Heute liegen in dieser Achse nur die Autobahnbrücke der A 1 und die Eisenbahnbrücke der Strecke Bremen – Osnabrück. Die nächste für den Radverkehr nutzbare Brücke liegt acht km flussabwärts am Weserwehr und flussaufwärts in 16 km Entfernung in der Nachbarkommune Achim. Durch die neue direkte Verbindung entfallen für Radfahrende bis zu sechs km lange Umwege.
Die Korbinsel-Brücke ist als Maßnahme D.23 im Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025 enthalten und erschließt neue Potenziale im südlichen Stadtgebiet. So ermöglicht sie eine fahrradfreundliche Erreichbarkeit insbesondere von großen Arbeitsplatzstandorten im Bremer Osten aber auch in Obervieland. Damit wird vor allem das Ziel verfolgt, Arbeitswege vom Pkw auf das Fahrrad zu verlagern. Auch Pendler:innen aus den Nachbarkommunen Weyhe und Brinkum können hiervon profitieren. Gleichzeitig ergeben sich neue Potenziale für den Freizeitradverkehr, da sich neue Rundstrecken im südlichen Stadtgebiet erschließen und touristische Routen direkt und landschaftlich attraktiv geführt werden können. Ein Gutachten zur Weserquerung hat einen grundsätzlichen Planungsvorzugskorridor ermittelt und einen Ausblick zum Brückensystem gegeben.

Wesersprung Mitte

Visualisierung der beiden Brücken des Wesersprung Mitte © SKUMS/Hinrichs/Studio B/Schmoll

Der Wesersprung Mitte ist die innerstädtische Verbindung von Alt- und Neustadtswallanlagen, einer denkmalgeschützten Grünanlage im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Ringschluss der Wallanlagen soll entsprechend dem Innenstadtkonzept 2025 erlebbar gemacht werden. Für den Wesersprung Mitte sind insgesamt zwei Brücken erforderlich – über die Weser und über die Kleine Weser. Beide Brücken sind als Verbindung für den Radverkehr auch im Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025 enthalten.
Mit dem Wesersprung Mitte wird ein optimierter Ringschluss der Fahrradroute Wallring geschaffen, die eine enge Umfahrung der Innenstadt ermöglicht und damit bestehende Konflikte in der Innenstadt zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden entzerrt.
Neben der Herstellung einer geschützten Fahrradspur auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke soll durch diese neuen Doppelbrücken auch ein Teil der bis zu 18.000 Radfahrenden pro Tag von der Wilhelm-Kaisen-Brücke hierher verlagert werden, vor allem Radfahrende, die nicht die Altstadt als Ziel oder Quelle ihrer Fahrt haben. Auch im Bereich der Domsheide, dem zweitstärksten Umsteigepunkt im Bremer ÖPNV (über 50.000 ein- und aussteigende Fahrgäste an Werktagen), ist diese alternative Verbindung über den Wallring und die neuen Brücken für den Transit-Radverkehr sinnvoll, um Konflikte mit Fußgänger:innen und Fahrgästen des ÖPNV hier im Stadtzentrum zukünftig zu minimieren. Über den Wesersprung Mitte kann so eine Radpremiumroute als Tangentiale zur Innenstadt komfortabel und sicher geführt werden.
Die Brücke über die Kleine Weser ist das am weitesten fortgeschrittene Brückenprojekt. Mit der Objekt- und Tragwerksplanung werden die Vorgaben einer Machbarkeitsstudie umgesetzt.

Wesersprung West – Weserbrücke

Potenzielle Korridore für den Wesersprung West

Der Wesersprung West sieht eine Verknüpfung zwischen Woltmershausen und der Überseestadt im Bremer Westen vor und wird durch eine dynamische Stadtentwicklung auf beiden Weserseiten (Vorderes Woltmershausen und Überseestadt) flankiert. Der Wesersprung West soll wieder eine Verbindung der beiden historisch eng miteinander verzahnten Stadtteile herstellen, die aufgrund des wirtschaftlichen Strukturwandels der Werften- und Hafenindustrie verloren gegangen ist. Zudem wird eine Brücke in beiden Stadtteilen zu einer Entlastungswirkung der Verkehrssituation beitragen, nachhaltige Mobilität unterstützen und die Stadtteile auch im Hinblick auf öffentliche Einrichtungen und Infrastrukturen vernetzen und zusammenführen. Aufgrund der dynamischen Stadtentwicklung auf beiden Seiten der Weser sind im weiteren Verlauf die Wirkungen und Auswirkungen einer Brücke über die Weser in der Stadtentwicklung und Stadtplanung mitzudenken.
Aktuell werden mit einer Machbarkeitsstudie innerhalb eines Suchkorridors die Anforderungen an Standort und Bauwerk, Lage im Raum und Einbindung in die Verkehrsnetze sowie aktuelle und zukünftige Entwicklungen in den angrenzenden Gebieten erarbeitet. Auch die Option einer Nutzung der neuen Brücke durch den Umweltverbund, also für Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV, wird geprüft.

Gemeinsam planen

Brücken schaffen Vernetzung und sind selbst nur in einem vernetzten Planungsprozess zu realisieren: So ist das technische Brückenbauwerk Bestandteil einer integrierten Fachplanung, in der die Belange der Verkehrsplanung, der Stadtentwicklung, des Umwelt- und Naturschutzes, der Wasserwirtschaft und der Schifffahrt Eingang finden und zu einem Gesamtkonzept entwickelt werden.
Die Brückenprojekte sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Während die Kleine Weserbrücke als Projekt der Städtebauförderung sich bereits in der Objekt- und Tragwerksplanung befindet, wurden für die Große Weserbrücke (Wesersprung Mitte) sowie die Korbinsel-Brücke (Wesersprung West) Planungsmittel im Rahmen der Richtlinie zur Förderung innovativer Projekte zur Verbesserung des Radverkehrs des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beantragt. Die Planungsprozesse werden im Hinblick auf die gestalterischen Ansprüche an die Brückenbauwerke durch ein Gestaltungsgremium begleitet. Im Rahmen der Altstadtorientierung und Anbindung der denkmalgeschützten Wallanlagen werden an die Große Weserbrücke besondere gestalterische Ansprüche gestellt, so dass hier ein Planungswettbewerb vorgesehen wird.
Für den Wesersprung West werden mit einer Machbarkeitsstudie zunächst die Anforderungen festgelegt.