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Informationen zur Altlast “Tanklager Farge“

Mehr Transparenz

Grundwasserverunreinigungen – die Last aus der Vergangenheit
In mehr als 20 Gebieten in Bremen und in zwei kleineren Gebieten in Bremerhaven ist das Grundwasser erheblich mit Schadstoffen belastet. Durch sorglosen oder fahrlässigen Umgang mit Schadstoffen in der Vergangenheit gelangten die Stoffe in den Untergrund und verschmutzen in einigen Gebieten bis heute das Grundwasser. Ein stärkeres und breites Bewusstsein und bessere rechtliche und technische Rahmenbedingungen für einen wirksamen Umweltschutz haben sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt.
Eine der fünf großflächigen Grundwasserverschmutzungen in Bremen liegt im Stadtteil Farge in Bremen-Nord. Sie geht vom dortigen Tanklager aus. Im Jahr 2006 fand die Bremer Umweltbehörde am Verladebahnhof II auf dem Gelände eine erhebliche Belastung des Bodens und Grundwassers mit leichtflüchtigen aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX) sowie Methyl-Butylether (MTBE). BTEX werden Benzin beigemischt, um die Oktanzahl zu erhöhen oder dienen als Löse- und Entfettungsmittel. MTBE wird in Deutschland seit der Einführung von bleifreiem Benzin Mitte der 1980er Jahre im großen Maßstab dem Kraftstoff zugesetzt. Es gibt allerdings Hinweise, dass MTBE bereits weit vor der allgemeinen Markteinführung in Deutschland z.B. bestimmten militärisch genutzten Kraftstoffen beigemischt worden war. Der Zeitpunkt des Schadenseintritts kann rückblickend nicht präzise bestimmt werden. Weitere Belastungen des Bodens und des Grundwassers gehen von Bereichen des Verladebahnhofs I und des Hafens aus. Hier wurde überwiegend BTEX festgestellt.

Reinigung des Grundwassers
Im Juli 2010 begann die Grundwassersanierung am Verladebahnhof II, dabei wird das Grundwasser in speziellen Brunnen gefördert und die dabei aufschwimmenden Kohlenwasserstoffe (BTEX) abgeschöpft. Bis März 2014 konnten ca. 24 Tonnen Schadstoffe entsorgt und die Schadstoffmaximalkonzentrationen in diesem Bereich um über 90 Prozent gesenkt werden. Das Tanklager, gebaut in den Jahren zwischen 1935 und 1941, besteht insgesamt aus 78 Tanks mit über 300.000 Kubikmeter Fassungsvermögen.
Eine Gesundheitsgefährdung für die Bürgerinnen und Bürger kann ausgeschlossen werden, wenn sie das Grundwasser in den betroffenen Gebieten, zum Beispiel als Gießwasser für Pflanzen oder als Badewasser im Planschbecken, nicht nutzen. Diese Empfehlung hat die Umweltbehörde in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in drei Briefen an die Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebietes gegeben:
2009 Bereich Verladebahnhof II; 2013 Bereich Verladebahnhof I; 2013 Bereich Verladebahnhof II – Erweiterung (siehe Dokumente der Verwaltung)

Für mehr Transparenz - alle Informationen auf einen Blick
Die Altlast in Farge und die Zukunft des Tanklagers wird im Moment sehr stark diskutiert. Deshalb stellt der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr hier eine Zusammenstellung der wichtigsten Informationen und der bisher gestellten Fragen und Antworten insbesondere über die durch das Tanklager Farge verursachte Altlast aber auch über ressortübergreifende Aspekte zur Verfügung: Auf dieser Seite sind in Umsetzung des Umweltinformationsgesetzes die bei den informationspflichtigen Behörden verfügbaren Umweltinformationen zum Tanklager, soweit wie möglich und auf dem gegenwärtigen Stand publiziert. Für weitere Fragen stehen Ihnen die Ansprechpartner des Referats Bodenschutz/Altlasten, des VAwS und der Bauverwaltung zur Verfügung. Ihre Kontaktdaten sind ebenso aufgeführt wie weitere Auskunftsstellen anderer Behörden und Institute.

Dokumente der Verwaltung

Kartenmaterial (u.a. aus den Gutachten)

Gemsamtübersicht

Verladebahnhof I

Verladebahnhof II

Gutachten

Bereich Hafen und Verladebahnhof I

Bereich Verladebahnhof II

Bereich Gesamte Liegenschaft

Fragen und Antworten

Welche Maßnahmen hat der Senat kurzfristig ergriffen, um die Bürgerinnen und Bürger vor Ort im November/Dezember 2012 über den aktuellen Stand der Entwicklungen zu informieren?
Die Bürgerinnen und Bürger wurden im Rahmen einer Sitzung des Beirates Blumenthal am 10.12.2012 über den aktuellen Stand der Entwicklungen informiert. Weiterhin gibt es eine rege Berichterstattung in den Medien. Darüber hinaus ist in der Deputationssitzung am 6.12.2012 ausführlich berichtet worden.

Welche Möglichkeiten haben die Bürgerinnen und Bürger in Farge, außerhalb des Internets sich über die aktuelle Gefahrenlage und den Stand der Verunreinigungen zu informieren?
Die Bürgerinnen und Bürger können sich telefonisch, schriftlich oder persönlich (letzteres mit vorheriger Terminabsprache) beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Referat 24 Bodenschutz / Altlasten informieren. Für gezielte Fragen zum Thema Grundwassernutzung und Gesundheit können sich Bürgerinnen und Bürger auch an das Gesundheitsamt Bremen wenden.

Werden Neubürgerinnen und Neubürger mittlerweile über die Grundwasserverunreinigung informiert? Wenn nein, ab wann soll dies stattfinden?
Neubürgerinnen und Neubürger sowie Umziehende werden seit Mai 2013 in den Meldestellen durch Übergabe eines Informationsblattes „Gartenbrunnen in der Stadtgemeinde Bremen“ auf mögliche Risiken bei der privaten Grundwassernutzung in der Stadt hingewiesen.

Mit Hilfe welcher Messungen wurde das kontaminierte Gebiet abgegrenzt und in welchem Umfang wurde kontaminiertes Gebiet festgestellt?
Die Untersuchungen werden mittels Direct-Push-Sondierungen und anschließender Errichtung von Grundwassermessstellen (Brunnen) durchgeführt. Bei dem Direct-Push-Verfahren handelt es sich um eine gezielte Entnahme von tiefenorientierten Grundwasserproben direkt aus der Sondierbohrung, ohne Anlage eines Brunnens.
Zurzeit werden weitere Untersuchungen im Bereich der Abstromfahnen an den Verladebahnhöfen I und II durchgeführt. Außerdem werden die Grundwassermessstellen in regelmäßigen Abständen beprobt und analysiert.

Liegt für die Beseitigung der Umweltbelastungen ein konkreter Maßnahmen- und Zeitplan vor, dessen Einhaltung stetig überprüft wird?
Zurzeit liegt ein Maßnahmenplan für die Sanierungsmaßnahme am Verladebahnhof II vor. Die Sanierung wird betrieben, bis die Sanierungszielwerte gemäß Anordnung vom 17.05.2010 erreicht worden sind. Die Sanierung wird durch regelmäßige Überwachung (Beprobung und Analytik) durch einen Sachverständigen begleitet. Die Ergebnisse werden der Behörde vorgelegt.

Wurde empirisch geprüft, ob durch die Bodenverunreinigung ein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht?
Es liegen keine Erkenntnisse über statistische Auffälligkeiten vor. Vorsorglich wurde das Bremer Krebsregister gebeten, zur Frage nach möglichen gehäuften Krebserkrankungen im Stadtteil Stellung zu nehmen. Unabhängig davon wird das Gefährdungspotential durch die frühere Nutzung verunreinigten Grundwassers aufgrund der geringen Exposition und vor dem Hintergrund sonstiger möglicher Wirkfaktoren insgesamt als zu gering eingeschätzt, um einen signifikanten Zusammenhang empirisch belegen zu können. Aktuell kann ein mögliches Risiko wirksam ausgeschlossen werden, wenn empfehlungsgemäß das verunreinigte Grundwasser nicht genutzt wird. Die „Kleinräumige Analyse zur Krebsinzidenz in der Region um das Tanklager Farge“ kann dem Bericht der Registerstelle des Bremer Krebsregisters vom März 2013 entnommen werden. (siehe Dokumente der Verwaltung)

Wurde ermittelt, ob die Grundwasserbelastung über die Bodenluft zu erhöhten Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft etwa in Kellern und Souterrainwohnungen führt?
Die Risikoabschätzung unter Anwendung von Literaturangaben zum Schadstoffübergang Grundwasser – Bodenluft und Bodenluft – Innenraumluft führt zu dem Schluss, dass unter den gegebenen Randbedingungen eine mögliche Gefährdung unwahrscheinlich ist, aber nicht mit absoluter Sicherheit für den ungünstigsten Fall ausgeschlossen werden kann. Zur weiteren Klärung dieser Frage wurde an drei Stellen außerhalb der Liegenschaft TL Farge eine Bodenluftbeprobung über besonders stark belasteten Bereichen der Schadstofffahne im April 2013 durchgeführt. Auch im Bereich der Schadstoffquelle am Verladebahnhof II wurden vier Bodenluftproben durchgeführt. Die Proben wurden in einer Tiefe von 0,0 – 3,0 m unter Geländeoberkante genommen. Auffällige Werte wurden bei den durchgeführten Analysen nicht festgestellt. Der untere Prüfwert der LAWA wird jeweils deutlich unterschritten. Alle Werte liegen unter der Nachweisgrenze.

Wurde der Frage nachgegangen, ob die Immobilienpreise wegen der Umweltbelastungen in dem betroffenen Areal gesunken sind? Wenn ja, wie ist geplant die Eigentümer zu entschädigen?
Nein. Dieser Frage wurde nicht nachgegangen. Eine Grundlage für einen Anspruch gegenüber der Stadtgemeinde Bremen besteht nicht.

Sickern auch gegenwärtig noch Umweltgifte wie Benzol durch die Tanks und Rohrleitungen des Tanklagers Farge in den Boden? Wenn ja, was wird unternommen, um die Leckage unverzüglich zu schließen?
Nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamtes des Landes Bremen sickern
mit großer Sicherheit keine Gefahrstoffe mehr in den Boden. Alle
erforderlichen Prüfungen sind mit gutem Ergebnis absolviert worden.
Die Anlagen werden auf der Grundlage der Verordnung über Anlagen zum
Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS) regelmäßig alle 5 Jahre
(außerhalb von Wasserschutzgebieten) bzw. 2 ½ Jahre (innerhalb von
Wasserschutzgebieten) durch einen unabhängigen Sachverständigen geprüft. Bei diesen Prüfungen wurden in den letzten 10 Jahren keine sicherheitserheblichen Mängel festgestellt. Die festgestellten geringfügigen Mängel wurden jeweils umgehend behoben.

Ist die Trinkwasserversorgung durch die Altlast gefährdet?
Nach Auskunft des Gesundheitsamtes wird das Trinkwasser, das das Wasserwerk Blumenthal an die Verbraucher liefert, gemäß den Vorgaben der
Trinkwasserverordnung viermal jährlich untersucht, u.a. auch auf Benzol. Benzol konnte in keiner Untersuchung nachgewiesen werden. Sowohl die Entnahmebrunnen selbst als auch die Vorfeldbrunnen werden in
unregelmäßigen Abständen beprobt. Auch hier liegen alle Ergebnisse für die
Parameter BTEX, Benzol und MTBE unterhalb der Nachweisgrenze. Mit Blick auf die bekannte Grundwasserverunreinigung wurde für den nächstgelegenen Entnahmebrunnen 16 und die zugehörigen Vorfeldmessstellen ein erweitertes Untersuchungsprogramm durch das Gesundheitsamt und den Bereich Grundwasserschutz im Hause SUBV mit der swb festgelegt.

Kann die Betriebsgenehmigung für das Tanklager wegen der Altlast entzogen werden?
Nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamtes entfaltet eine BImSchG-Genehmigung einen starken Bestandsschutz. Sie zu entziehen erfordert erhebliche Bedenken gegen den Betreiber und die Technik der Anlage. Alle erforderlichen Prüfungen sind mit gutem Ergebnis absolviert worden und es bestehen keine Zweifel an der Qualifikation und Zuverlässigkeit des Betreibers.

Gibt es Aufzeichnungen über in der Vergangenheit 'abgepumpte' Verunreinigungen an Verdachtsstellen auf dem Gelände?
In der „Erfassung von kontaminationsverdächtigen Flächen (KVF) im Rahmen der Phase I“ durch das Büro HPC Harress Pickel Consult AG vom 30.07.2010 sind 119 KVF aufgeführt. Im Rahmen dieser Zusammenstellung wurden folgende Quellen ausgewertet:

  • 1. Senatorin für Finanzen, Geschäftsbereich Bundesbau
  • 2. Immobilien Bremen AöR, Bereich Bundesbau
  • 3. Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Bau und Liegenschaften
  • 4. Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Schwanewede: Liegenschaftsverwaltung
  • 5. Wehrbereichsverwaltung
  • 6. Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Ref. 24 Altlasten
  • 7. Polizei Bremen, Sachgebiet Kampfmittelräumdienst
  • 8. TanQuid: Tanklagerbetreiber
  • 9. Zeitzeugen

Das Gutachten liegt dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr vor und kann im Rahmen einer Akteneinsicht eingesehen werden.

Wurden alle Betriebsstoffe aus dem Tanklager Farge bereits abtransportiert? Ist die Anlage bis zum 31.05.2013 vollständig außer Betrieb oder sind noch weitere Restarbeiten erforderlich und wer stellt die Sicherheit der Anlage sichter?
Nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamtes wird die Tankanlagen-Fachfirma WPD ab 01.06.13 den Stillstandsbetrieb durchführen, also die Trockenlegung des Lagers. Dazu werden die Kraftstoffdämpfe ausgetrieben und kontrolliert abgefackelt. Gegenwärtig sind nur noch wenige Kubikmeter Kraftstoff in den Leitungen, weil diese Reste durch die normalen Pumpen nicht erfasst werden. Die Bundeswehr hat dem GAA mitgeteilt, dass das Dienstleistungszentrum Schwanewede ab 01.06.13 der verantwortliche Betreiber des Tanklagers ist. Die Betreuung der Tankanlagen wird der WPD übergeben. Die Bewachung, Betreuung der wassertechnischen Anlagen u.ä. wird an andere Firmen übergeben. Laut Auskunft der Bundeswehr ist WPD mit der Betriebsmannschaft von TanQuid in Verhandlung mit dem Ziel, 15 Mitarbeiter befristet zu übernehmen. Das GAA wird gemeinsam mit den Kollegen von der Bundeswehr die Anlagen auch in Zukunft überwachen und z.B. sicherstellen, dass angeordnete oder erforderliche sicherheitstechnische Prüfungen durch externe Sachverständige wiederkehrend wie geplant durchgeführt werden.

Für weitere Auskünfte zuständig

  • Vertretung des Grundstückeigentümers: Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Oldenburg
    Bremer Straße 69
    26135 Oldenburg
    Tel.: 0441 / 929-0
    E-Mail: bwdlzoldenburg@bundeswehr.org
  • Öffentlich-rechtliche Aufsicht der Bundeswehr für Arbeitssicherheit und Technischen Umweltschutz: Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr
    Kompetenzzentrum für Baumanagement Hannover
    Referat K 5
    Hans-Böckler-Allee 16
    30173 Hannover
    E-Mail: baiudbwkompzbaumagmthk5@bundeswehr.org
  • Überwachende Stelle und zuständig für Arbeitsschutz und technische Sicherheit: Die Gewerbeaufsicht des Landes Bremen
    Parkstraße 58/60
    28209 Bremen
    Tel.: 0421/361-6260
    E-Mail: office-hb@gewerbeaufsicht.bremen.de
  • Überwachende Stelle gemäß der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen: Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Referat 33, Herr Werner
    Ansgaritorstraße 2
    28195 Bremen
    Tel.: 0421/361-15831
    E-Mail: joachim-helmut.werner@umwelt.bremen.de
  • Bodenschutz und Altlasten, Grundwasserverunreinigungen: Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Referat 24, Herr Wessel
    Ansgaritorstraße 2
    28195 Bremen
    Tel.: 0421/361-5352
    E-Mail: ulrich.wessel@umwelt.bremen.de
  • Wasserschutzgebiet Blumenthal: Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Herr Dr. Hamer
    Ansgaritorstraße 2
    28195 Bremen
    Tel.: 0421/361-5349
    E-Mail: Kay.Hamer@umwelt.bremen.de
  • Überwachende Stelle gemäß der Trinkwasser-Verordnung und für gesundheitliche Fragestellungen: Gesundheitsamt Bremen, Frau Luther
    Horner Straße 60/70
    28203 Bremen
    Tel.: 0421/361-7510
    E-Mail: sabine.luther@gesundheitsamt.bremen.de
  • Wasserwerk Blumenthal: swb Netze GmbH & Co. KG
    Theodor-Heuss-Allee 20
    28215 Bremen
    Tel.: 0421/359-0
    E-Mail: netze@swb-gruppe.de