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Altlasten und schädliche Bodenveränderungen

Wissenswertes über Boden

Boden ist die oberste Schicht der Erdkruste und bildet die Schnittstelle zwischen Atmosphäre und festem Erdgestein. Die große Bedeutung des Bodens ist dabei nur wenig bekannt. Intakte Böden sind - neben Wasser und Luft - eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gesunde und belebte Umwelt. Sie sind Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und erfüllen mit ihren Wasser- und Nährstoffkreisläufen zahlreiche Funktionen im Naturhaushalt. Ohne Boden wäre kein Leben außerhalb der Gewässer denkbar.

Für uns Menschen stellt der Boden die zentrale Ernährungsgrundlage und Rohstoffquelle dar, zugleich dient er als Fläche für Siedlung, Erholung und Wirtschaft. Darüber hinaus ist er ein Archiv, das die vielfältigen Einflüsse aus der Natur- und Kulturgeschichte speichert. Mit seinen Filter-, Puffer-, und Stoffumwandlungseigenschaften trägt er wesentlich zum Schutz wertvollen sauberen Grundwassers bei. Natürliche Böden sind das Ergebnis jahrtausendelangen Zusammenwirkens von Ausgangsgestein, Klima und biologischer Aktivität. Die Neubildung eines Zentimeters Bodenkrume dauert rund 200 bis 300 Jahre. Unsere heutigen Böden haben für ihre Entstehung nach der letzten Eiszeit einen Zeitraum von rund 10.000 Jahren gebraucht.

Altlastenerfassung in Bremen

Bedingt durch die historische Entwicklung wirtschaftlicher Aktivität und fortschreitender Industrialisierung war verstärkt seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in Bremen und Bremerhaven die Gesamtfläche der gewerblich-industriell genutzten Standorte gewachsen. Mit den ebenfalls zunehmenden Stoffströmen wuchs parallel u.a. auch der Bedarf zur Entsorgung von Abfällen, die zunächst dezentral, im Laufe der Zeit mehr und mehr auf größeren Zentraldeponien am damaligen Stadtrand abgelagert wurden. Heute ist bekannt, dass frühere Praktiken im Umgang mit gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen vielfach zu Boden- und Grundwasserverunreinigungen geführt haben, die auch nach Jahrzehnten und Jahrhunderten noch erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt darstellen können.

Schädliche Bodenveränderungen sind Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen, die geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeizuführen. Dies kann z.B. bei erheblichen Verunreinigungen des Bodens mit gesundheits- und / oder grundwassergefährdenden Schadstoffen der Fall sein.

Als Altlasten bezeichnet man Grundstücke stillgelegter Deponien (Altablagerungen) der kommunalen oder gewerblichen Abfallentsorgung oder gewerblich-industrieller Altstandorte auf denen früher mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist und durch die heute schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren, für den Einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden.

Der Beginn der systematischen Altlastenaufarbeitung in der Praxis der Bundesländer wie auch in Bremen reicht bis in die 1980er Jahre zurück. 1998 bzw. 1999 traten das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) bzw. die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) in Kraft, welche seitdem die bundesweit einheitliche Rechtsgrundlage für den Umgang mit Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen bilden.

Einen Überblick zum aktuellen Aufarbeitungsstand in Bremen und in den Bundesländern vermitteln die regelmäßig veröffentlichten „Bundesweiten Kennzahlen zur Altlastenstatistik“ der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz. Gleichwohl sind die Daten infolge unterschiedlicher Erfassungsreglungen und der jeweils eingespielten Praxis in den einzelnen Bundesländern nicht geeignet, belastbare Zahlenvergleiche anzustellen.
Einen Überblick über die Situation in den Stadtstaaten und Niedersachsen als Flächenstaat vermittelt nachfolgende Tabelle.

Kennzahlen zur Altlastenstatistik
Berlin Bremen Hamburg Niedersachsen
07/2017 06/2017 07/2017 07/2017
Altlastenverdächtige Flächen
-davon Altablagerungen
-davon Altstandorte
5.738
444
5.294
3.519
16
3.503
1.621
264
1.367
96.682
10.392
86.290
Gefährdungsabschätzung abgeschlossen 1.998 1.197 3.406 7.066
Altlasten 840 454 557 4.157
Altlasten in der Sanierung 83 34 144 307
Sanierung abgeschlossen 259 708 528 2.533
Überwachungen 98 185 157 803

Die vollständige, bundesweite Altlastenstatistik ist auf der Seite der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) veröffentlicht. Die Aufstellung belegt, dass der Umgang mit Altlasten auch heute noch für unsere Gesellschaft eine komplexe und langfristige Aufgabe mit den wesentlichen Elementen Altlastenerfassung, Altlastenbeurteilung und Altlastensanierung darstellt.

Altablagerungen

Die systematische Ersterfassung von Altlasten basiert auf der Auswertung geeigneter Quellen, aus denen liegenschaftsbezogene, altlastenrelevante Hinweise gewonnen und verfügbar gemacht werden können.

Für die Stadtgemeinde Bremen werden solche Flächen durch die Bodenschutzbehörde beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr erfasst. Die Ersterfassung der Altablagerungen ist weitgehend abgeschlossen. Unterlagen und Archive der ehemals für die kommunale Abfallentsorgung zuständigen Ämter und Einrichtungen sind ausgewertet. Ergänzt wurde diese Datenbasis durch Auswertung von historischen Kartenwerken und Luftbildern.

Derzeit sind in der Stadtgemeinde Bremen 125 Altablagerungen bekannt. Die Lage dieser Altablagerungen ist in den folgenden Karten dargestellt.

Übersichtskarte aller Altablagerungen (pdf, 654.5 KB)

Detailkarte 01 Farge-Rekum (pdf, 890.5 KB)
Detailkarte 02 Bockhorn-Blumenthal-Vegesack (pdf, 1 MB)
Detailkarte 03 Vegesack (pdf, 621.8 KB)
Detailkarte 04 Lesum-Burglesum-Burg-Grambke (pdf, 968.7 KB)
Detailkarte 05 Altlasten Burgdamm (pdf, 614.9 KB)
Detailkarte 06 Altlasten Werderland-Industriehäfen-Seehausen (pdf, 705.2 KB)
Detailkarte 07 Altlasten Oslebshausen-In den Wischen (pdf, 902.3 KB)
Detailkarte 08 Altlasten Hohweg (pdf, 1 MB)
Detailkarte 09 Horn-Lehe (pdf, 577.4 KB)
Detailkarte 10 Lehesterdeich (pdf, 525.4 KB)
Detailkarte 11 Oberneuland (pdf, 494.3 KB)
Detailkarte 12 Strom (pdf, 475.6 KB)
Detailkarte 13 Huchting-Woltmershausen-Neuenland (pdf, 955.8 KB)
Detailkarte 14 Huckelriede-Kattenturm-Arsten-Sebaldsbrück (pdf, 878 KB)
Detailkarte 15 Hastedt-Hemelingen-Arsten-Sebaldsbrück (pdf, 881.6 KB)
Detailkarte 16 Sebaldsbrück-Osterholz-Mahndorf-Arbergen (pdf, 993.6 KB)

Für einige dieser Flächen besteht bei gegenwärtiger Nutzung kein Sanierungsbedarf. Alle übrigen sind gesichert und/oder in das Überwachungsprogramms für Altablagerungen in der Stadtgemeinde Bremen (pdf, 10.6 MB) aufgenommen. Der 2006 veröffentlichte Bericht zum Altlastenüberwachungsprogramm liefert Entscheidungsgrundlagen für die Konzeption von Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an Altablagerungen. Er dient aber auch zur Kontrolle und Dokumentation der Wirksamkeit bereits durchgeführter Sicherungen. Detaillierte Informationen zur Überwachung von Altablagerungen und dem AÜP finden sich im Abschnitt Überwachung (siehe unten).

Altstandorte

Im Rahmen der Ersterfassung von Altstandorten sind in der Stadtgemeinde Bremen folgende Quellen bisher ausgewertet und in Form von Datenbanken verfügbar:
Historische Adressbücher seit 1800, Kriegszerstörungsakten, Altakten des ehemaligen Wasserwirtschaftsamtes, des Gewerbeaufsichtsamtes, der Bauordnungsämter sowie Gewerbeanmeldungen bei der Verwaltungspolizei (Stadtgemeinde Bremerhaven) und des Hafenamtes (Übersee- und Fischereihafengebiete Bremerhavens).

Die Ersterfassung wird beständig ergänzt bzw. nach neueren Erkenntnissen überarbeitet. Dieser Datenbestand dient obligatorisch als Grundlage für alle weiteren gezielten Recherche- und Untersuchungsmaßnahmen, die grundstücks-, gebiets- oder z.B. auch branchenbezogen durchgeführt werden können.
Veranlassung für gezielte weitere Ermittlungsschritte sind neben der systematischen Altlastenerfassung durch die Bodenschutzbehörden Anfragen Dritter im Zusammenhang mit Grundstücksverkehr oder Bauvorhaben, die Aufstellung von Bebauungsplänen, sonstige Planverfahren und insbesondere Umweltschutzbeschwerden sowie Anzeigen von Boden- und/oder Grundwasserverunreinigungen.

Sobald sich Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast erhärten, also eine sogenannte Altlastenverdachtsfläche vorliegt, sind weitere Ermittlungen des Sachverhalts erforderlich. Je nach Bestimmtheit des Verdachts steht hier zunächst die Bodenschutzbehörde oder unmittelbar der bodenschutzrechtlich Verantwortliche (i.d.R. Grundstückseigentümer, Verursacher oder "Inhaber der tatsächlichen Gewalt über das Grundstück") für die Durchführung solcher Schritte in der Pflicht.

Besonders aufwändig ist die Verfolgung und Begründung eines "hinreichenden Verdachts" bei festgestellten Grundwasserverunreinigungen insbesondere durch organische Schadstoffgruppen wie z.B. leichtflüchtige, chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) oder so genannte Teeröle aus polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Die eindeutige Lokalisierung der kontaminationsverursachenden Schadstoffquelle, sowohl zur Heranziehung von Verantwortlichen als auch für die technische Planung von Sanierungsmaßnahmen unabdingbar, stellt erhebliche materielle, zeitliche und fachliche Anforderungen. Nähere Informationen zu diesem Problembereich und den gegenwärtigen Kenntnisstand finden sich im Abschnitt Altlastenbedingte Grundwasserverunreinigungen.

Überwachung

Aus Altablagerungen können Schadstoffe austreten, die in das Oberflächen- und Grundwasser gelangen sowie Luft und Boden verunreinigen. Durch diese Schadstoffe können Pflanzen, Tiere und Menschen gefährdet sein.

Von den 125 in der Stadtgemeinde Bremen bekannten Altablagerungen werden derzeit 34 im Rahmen des Überwachungsprogramms für Altablagerungen in der Stadtgemeinde Bremen (pdf, 10.6 MB) überwacht.

Ziel der Überwachung ist das kontinuierliche Sammeln von Erkenntnissen zum langfristigen Austragsverhalten der Altlablagerung und insbesondere ihr Einfluss auf die Umwelt.

Die Überwachung von Altlablagerungen ist eine sinnvolle Ergänzung oder im Einzelfall sogar eine Alternative zu aufwendigen Sanierungen

Die Lage der Altablagerungen in der Stadtgemeinde Bremen kann der Übersichtskarte aller Altablagerungen (pdf, 654.5 KB) entnommen werden.

Berichte

Informationen zur Überwachung von Altlablagerungen finden Sie hier: Überwachungsprogramm für Altablagerungen in der Stadtgemeinde Bremen (pdf, 10.6 MB)

Informationen zu altlastenbedingten Grundwasserverunreinigungen im Land Bremen
erhalten Sie unter Altlastenbedingte Grundwasserverunreinigungen

Informationen über chemische Reinigungen erhalten Sie hier: Flyer über Chemische Reinigungen in Bremen (pdf, 958.4 KB)

Kontakt

Postadresse:
Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr
Ansgaritorstraße 2
28195 Bremen

Bearbeitung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen

Bernhard Leferink

Referatsleiter Bodenschutz

Harald Bethke

stellvertretender Referatsleiter Bodenschutz

Für den Bereich der Hafengebiete in Bremerhaven:

Claudia Watermann

Aussenstelle Bremerhaven

Bussestraße 27-29
27570 Bremerhaven

Für den Bereich der Stadtgemeinde Bremerhaven:

Magistrat der Stadt Bremerhaven

Umweltschutzamt

Wurster Straße 49
27580 Bremerhaven