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Umgebungslärm

Was ist Umgebungslärm?

Eine Tortengrafik zum Umgebungslärm.
Aufteilung der Stunden beim Umgebungslärm.

Umgebungslärm umfasst alle unerwünschten oder gesundheitsschädlichen Geräusche im Freien, die von Menschen verursacht werden. Dazu gehören Lärmbelastungen durch Schienenverkehr, Straßenverkehr, Flugverkehr und industrielle Tätigkeiten.

Der Begriff Umgebungslärm ist in der europäischen Richtlinie 2002/49/EG (Umgebungslärmrichtlinie) beschrieben. Aufgrund der nationalen Umsetzung in Deutschland fallen nicht darunter: Lärm am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln, durch Tätigkeiten innerhalb der Wohnung, Nachbarschaftslärm, Sport- und Freizeitlärm sowie Lärm durch militärische Tätigkeiten in militärischen Gebieten.

Die Mitgliedstaaten der EU haben beschlossen, strategische Lärmkarten für Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen sowie für Ballungsräume aufzustellen.
Grundlagen für die Lärmkarten können Messungen oder Berechnungen oder beides sein.

In den Lärmkarten erfolgt die Darstellung des Umgebungslärms anhand von Lärmindizes. Die Bestimmung der Lärmindizes erfolgt teilweise abweichend von dem bisher in Deutschland gültigen Regelwerk. Neben dem Lärmindex Lnight für die achtstündige Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr wurden zusätzliche Lärmindizes für den Abend (18 bis 22 Uhr) als Levening, für den Tag (6 bis 18 Uhr) als Lday und für die Gesamtbewertung (24 Stunden) als LDEN (Lärmindex Day, Evening, Night) eingeführt. Außerdem fielen gegenüber dem deutschen Regelwerk verschiedene Ab- und Zuschläge, z.B. für Straßenkreuzungen, aber auch bereits für den Schienenbonus (5 dB) weg.

Das europäische Parlament und der Rat der europäischen Union haben am 18. Juli 2002 die "Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm" veröffentlicht. Diese Richtlinie wurde mit den §§ 47a bis 47f des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in deutsches Recht überführt. Die 34. BImSchV dient weiteren Festlegungen des Gesetzes. Ein Rechtsanspruch auf Einhaltung bestimmter Grenzwerte ergibt sich daraus nicht.

Welche Lärmkarten gibt es?

Hauptverkehrsstraßen im Land Bremen und Zählstellen an den Autobahnen
Hauptverkehrsstraßen im Land Bremen und Zählstellen an den Autobahnen

Es gibt Lärmkarten für Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen. Innerhalb der Ballungsräume werden die wesentlichen Lärmarten ebenfalls auf Karten dargestellt. Dazu gehören Straßenlärm, Schienenlärm, Fluglärm und Industrielärm.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit gibt es zu jeder Lärmart nur zwei Karten: Eine Lärmkarte für den gesamten Tag (24 Stunden) und eine für die achtstündige Nachtzeit (22 bis 6 Uhr). Die Lärmkarten beruhen grundsätzlich auf Berechnungen in einer Höhe von 4 m über dem Gelände.

Die Lärmkarten werden seit 2007 alle 5 Jahre aktualisiert. 1977 und 1981 wurden bereits die ersten Lärmkataster für den Bereich der Stadtgemeinde Bremen aufgestellt; diese Lärmkarten liegen bisher nur als Papierausdrucke vor. Insofern ist auch ein Vergleich über einen längeren Zeitraum möglich. Allerdings sind die Änderungen bei den Berechnungsverfahren zu berücksichtigen, so dass z.B. die absolute Zahl der Lärmbetroffenen nicht miteinander vergleichbar ist.

Da aufgrund der Umgebungslärmrichtlinie der Bestand an Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen zu melden ist, werden diese Daten auch oft in Karten dargestellt. Das nebenstehende Bild zeigt die Hauptverkehrsstraßen im Land Bremen sowie die Stellen an den Bundesfernstraßen, an denen die Fahrzeuge regelmäßig gezählt werden. Bei der Berechnung des Verkehrslärms werden die Zahl der Pkws und Lkws, die Geschwindigkeit und die Straßenoberfläche berücksichtigt.

Beim Industrielärm in Bremen werden an einigen Stellen - z.B. in Bremerhaven - Messungen im Bereich der Häfen durchgeführt. Die Messergebnisse fließen in die Lärmberechnungen ein.

Umsetzung und Zeitplan

Die Umsetzung erfolgte zunächst in zwei Stufen: In der ersten Stufe (2005) sollten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 6.000.000 Fahrzeugen jährlich, Schienenwege mit mehr als 60.000 Zügen jährlich und Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern, in der zweiten Stufe (2010) Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 3.000.000 Fahrzeugen jährlich, Schienenwege mit mehr als 30.000 Zügen jährlich und Ballungsräume mit mehr als 100.000 Einwohnern melden. In den zwei jeweils folgenden Jahren sollten auch entsprechende Lärmkarten erstellt werden.

Für die Großflughäfen gab es keinen Stufenplan. Hier waren alle Verkehrsflughäfen mit mehr als 50.000 Flugbewegungen zu melden und zu kartieren. Der Bremer Verkehrsflughafen wurde aufgrund seiner Lage im Ballungsraum Bremen kartiert, da er eine wesentliche Lärmquelle darstellt, auch wenn er von der Zahl der Flugbewegungen her nicht zu den Großflughäfen im Sinne der Umgebungslärmrichtlinie zählt. Im Rahmen der Lärmkartierungen 2007 und 2017 wurde dabei auch das niedersächsische Umland erfasst.

Die Städte Bremen und Bremerhaven wurden als Ballungsräume gemeldet. Im Bereich der Schienenwege fallen die Eisenbahnstrecken der Deutschen Bahn AG unter das Kriterium der Umgebungslärmrichtlinie - für die Meldung und Kartierung ist das Eisenbahnbundesamt zuständig.

Strategische Lärmkarten sind auch eine Grundlage für die Bauleitplanung. Sie zeigen die berechnete Lärmsituation. Die Informationen können aufgrund des Umfangs der zu erhebenden Daten (Einwohner, Verkehrszahlen, Gelände- und Gebäudemodell) im Einzelfall bis zu drei Jahre alt sein. Die Lärmkarten können sich von Prognosen in der Planung unterscheiden.

Auf der Grundlage der berechneten Lärmkarten waren innerhalb eines Jahres unter Beteiligung der Öffentlichkeit Aktionspläne aufzustellen, in denen Maßnahmen zur Bekämpfung des Umgebungslärms vorgeschlagen werden. Die Aktionspläne sind spätestens alle fünf Jahre zu überprüfen und ggf. fortzuschreiben. Die Lärmkarten sind ebenfalls in einem Rhythmus von fünf Jahren neu zu erstellen.

Fertigstellungstermine sind der 30. Juni 2007, 2012 und 2017 für die Lärmkarten, 18. Juli 2008, 2013 und 2018 für die Aktionspläne. Die Ergebnisse sind nach jeweils sechs Monaten an die EU-Kommission zu übermitteln.

Kartierung im Land Bremen

Farben der Lärmpegel
Farben gemäß DIN 18005

Die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven zählen gemäß der Umgebungslärmrichtlinie zu den Ballungsräumen und werden entsprechend kartiert.

Im Land Bremen werden alle Straßen mit mehr als durchschnittlich 1000 Kraftfahrzeugen/Tag kartiert. Dabei werden eigene Verkehrszählungen und die Ergebnisse aus der Bundesverkehrszählung verwendet. Beim Industrielärm ist der Hafenlärm berücksichtigt. Neben dem Lärm der nichtbundeseigenen Schienenstrecken (z.B. Straßenbahn in der Stadt Bremen) wird auch der Lärm des Verkehrsflughafens Bremen kartiert. Jede dieser Lärmquellen wird in einer eigenen Ausbreitungskarte dargestellt. Daher gibt es folgende Lärmkarten für die Stadt Bremen: Straßenlärm, Schienenlärm, Industrielärm und Fluglärm.

In den Lärmkarten wurde teilweise ein feineres Raster verwendet, als der Gesetzgeber es vorschreibt, und zwar zum Beispiel beim Straßenlärm 10 Meter x 10 Meter (entsprechend einer Grundstücksfläche von 100 ).

Die Lärmkarten der Stadtgemeinde Bremen von 2012 finden Sie hier in einem geographischen Informationssystem (GIS). Mit diesem System lässt sich auch die Überlagerung verschiedener Lärmquellen darstellen (z.B. Straßen- und Schienenlärm). Die Farbdarstellung erfolgt in Anlehnung an die DIN 18005. Grundsätzlich wurde der bewertete Schallpegel dB(A) berechnet.

Benutzerhinweise für die Lärmkarten: Das Menu für die verschiedenen Lärmquellen befindet sich rechts oben neben der Karte, wenn dort auf das Pluszeichen geklickt wird. Die jeweils aktivierten Layer der Lärmausbreitung werden in der unteren Zeile in grauer Schrift angezeigt. Der Kartenausschnitt lässt sich über die Pfeile im Menu oben links oder mit der Maus verschieben: mit der linken Maustaste draufklicken und festhalten – ähnlich wie in anderen Programmen. Das Vergrößern erfolgt über den Schieberegler oben links oder mit dem Rad der Maus. Der Schienenverkehr ist ohne die bundeseigenen Strecken der Bahn dargestellt.

Die Eingangsdaten für die Lärmkartierung des Straßenverkehrs im Ballungsraum Stadt Bremen stammen aus Verkehrszählungen, die in Übersichtskarten dargestellt sind. Der Abschlussbericht für die Stadtgemeinde Bremen ist im Abschnitt Aktionsplan der Stadtgemeinde Bremen zu finden. Informationen zum Ballungsraum Bremerhaven sind auf einer eigenen Seite dargestellt.

Die Schienenstrecken der deutschen Bahn AG werden vom Eisenbahnbundesamt kartiert. Sie finden die aktuellen Ergebnisse auf den Seiten des Eisenbahnbundesamtes. Dort sind auch Angaben zur Anzahl der Züge/Jahr auf den einzelnen Strecken zu finden.

Sie können in den Lärmkarten mit der Eingabe von Straße und Hausnummer das gesuchte Gebiet finden.

Die Strategischen Lärmkarten 2017 für das Land Bremen werden gegenwärtig erstellt und dann veröffentlicht. Die Kartierung findet auf Basis von Daten aus den Jahren 2014-2017 statt. Bisher sind die Lärmkarten für die Straßenbahn und den Flugverkehr in der Stadtgemeinde Bremen erstellt worden und werden noch geprüft.

Aktionsplanung

Zuständig für die Aktionspläne zur Lärmminderung sind im Lande Bremen jeweils die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven. An der Aktionsplanung für die bundeseigenen Strecken der Bahn ist das Eisenbahnbundesamt beteiligt. Hierzu bietet das Eisenbahn-Bundesamt eine Informations- und Beteiligungsplattform im Internet an.

Die Aktionspläne werden auf der Grundlage der Lärmkarten und nach Beteiligung der Öffentlichkeit entwickelt. Die Kurzfassungen (Umfang jeweils 10 Seiten gemäß der Umgebungslärmrichtlinie) wurden über das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit an die EU übermittelt:

Zu den Aktionsplänen findet ein ständiger Erfahrungsaustausch unter den 16 Bundesländern statt. Folgende Maßnahmen lassen sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand kurz- und mittelfristig umsetzen:

  • Geschwindigkeitsbeschränkung in einzelnen Straßen
  • Einschränkung und Umleitung des Schwerlastverkehrs
  • Optimierung der Ampelschaltung

Langfristige Maßnahmen mit verhältnismäßig höherem Aufwand umfassen städtebauliche und verkehrsplanerische Veränderungen wie

  • Verlagerung, Bündelung von Verkehren
  • Förderung von Öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing
  • Verbesserung der Straßenoberfläche (Fahrbahnbelag)
  • Nutzung von Abschirmungen durch entsprechende Gebäudegestaltung bei Neuplanungen
  • aktive Schallschutzmaßnahmen, wie Schallschutzwände und -wälle

Im Rahmen des Lkw-Führungsnetzes und des Verkehrsentwicklungsplans hat die Stadtgemeinde Bremen langfristig für Verbesserungen auch der Lärmsituation gesorgt. Weitere Bestandteil der Aktionspläne waren Förderprogramme zum Einbau von Schallschutzfenstern und Lüftern. Diese Programme sollen die Wohnqualität in der Stadt verbessern helfen. Die Förderung erfolgte für bestehende Wohnräume (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer) zunächst an Hauptverkehrsstraßen (2010-2011), in der zweiten Stufe (2014-2015) auch an Schienenstrecken. Hierzu wurde der Gesamtlärmpegel ermittelt. Voraussetzung für die Förderung war eine Überschreitung der Lärmpegel von 60 dB(A) nachts oder 70 dB(A) über 24 Stunden, in der zweiten Stufe 55 dB nachts oder 65 dB über 24 Stunden. Eine Förderung wurde ausgeschlossen, wenn entsprechende Maßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Lärmvorsorge oder Lärmsanierung erfolgen (z.B. am Flughafen Bremen, an Bundesfernstraßen oder bundeseigenen Schienenstrecken).

Als Ergänzung zum freiwilligen Lärmsanierungsprogramm des Bundes hat die Stadtverordnetenversammlung Bremerhaven ein kommunales Lärmschutzprogramm beschlossen.

Aktionsplan der Stadtgemeinde Bremen

Grundlage für den Aktionsplan zur Lärmminderung in der Stadtgemeinde Bremen war die Lärmkartierung 2012. Der Abschlussbericht zur Lärmkartierung (pdf, 643.3 KB) erschien 2013. Nach der Veröffentlichung fand die erste Bürgerbeteiligung statt, deren Ergebnisse ebenfalls veröffentlicht wurden. Im März 2014 lag der Entwurf eines Lärmaktionsplans vor, und die zweite Öffentlichkeitsbeteiligung fand statt. Anschließend wurde der Aktionsplan überarbeitet. Die Ergebnisse wurden in der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie (S) am 3. Juli 2014 vorgestellt:

Die ruhigen Gebiete wurden in Abstimmung mit dem Flächennutzungsplan und dem Landschaftsprogramm ausgewiesen. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans wurden auch Maßnahmen zur Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h in mehreren von Verkehrslärm belasteten Straßen geprüft. Außerdem wurde das Lkw-Führungsnetz überarbeitet. Der Verkehrsentwicklungsplan wurde am 23. September 2014 von der Bremischen Bürgerschaft beschlossen. Am 9. Oktober 2014 wurde der Aktionsplan zur Lärmminderung beschlossen, und die finanziellen Mittel für die Umsetzung der ersten Maßnahmen wurden bereitgestellt. Am 21. Oktober 2014 befasste sich der Bremer Senat mit dem Aktionsplan, am 20. Januar 2015 nahm die Stadtbürgerschaft die Senatsvorlage zur Kenntnis.

Kontakt

Frank Rauch

Ansprechpartner Umgebungslärm

Wegesende 23
28195 Bremen

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