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HOCHWASSERRISIKOMANAGEMENT

Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie

Rund 86% der Fläche des Landes Bremen unterliegt einer potentiellen Gefährdung durch Hochwasser. Innerhalb dieser gefährdeten Gebiete leben rund 515.000 Menschen.
Daher ist der Schutz vor Hochwasser eine existentielle Aufgabe Bremens. Dies wird insbesondere durch die geografische Lage zwischen Binnenland und Küste deutlich.
Im Binnenland sind Hochwässer an der Ober- und Mittelweser, Geeste, Wümme, Lesum, Ochtum, Ihle, Schönebecker Aue, Beckedorfer Beeke und Blumenthaler Aue die Folge von meteorologischen Ereignissen wie hohe Niederschläge oder Schneeschmelze. Eine Gefahr für Bremen besteht zusätzlich durch Sturmfluten von der Nordsee, die zu sehr hohen Wasserständen führen können. Treffen eine Sturmflut und ein Binnenhochwasser aufeinander, ergibt sich eine besondere Bedrohungslage.

Es ist daher unerlässlich, geeignete Strategien zum Umgang mit dem Hochwasserrisiko zu entwickeln. Die Europäische Union hat sich mit der 2007 in Kraft getretenen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) dieses Themas angenommen. Mit der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) im Jahr 2009 wurde die HWRM-RL in nationales Recht überführt. Ziel des Hochwasserrisikomanagements ist es, die Gefahren, die Hochwasser auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das kulturelle Erbe und die wirtschaftlichen Tätigkeiten ausübt, zu verringern und den Umgang mit den Hochwassergefahren zu verbessern.
Die Umsetzung erfolgt in drei Stufen:

Das Hochwasserrisikomanagement ist ein fortlaufender Prozess, die drei Bearbeitungsschritte werden daher regelmäßig alle sechs Jahre aktualisiert.
Der erste Zyklus wurde im Dezember 2015 mit der Veröffentlichung des ersten Hochwasserrisikomanagementplans Weser abgeschlossen.
Bis zum 22.12.2018 erfolgt nun die Fortschreibung der Bewertung des Hochwasserrisikos.

Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie in Niedersachsen und Bremen (pdf, 2.5 MB)

1. Stufe: Ermittlung der Bereiche mit signifikantem Hochwasserrisiko

In Bremen und Bremerhaven wurden die Gebiete ermittelt, bei denen davon auszugehen ist, dass ein potenzielles, signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann. Die Bewertung des Hochwasserrisikos erfolgte für alle größeren bremischen Gewässer auf Grundlage vergangener und zukünftig zu erwartender Hochwasserereignisse in Kombination mit dem Ausmaß der Betroffenheit der vier so genannten Signifikanzkriterien

  • menschliche Gesundheit
  • Umwelt
  • Kulturerbe
  • wirtschaftliche Tätigkeiten und erhebliche Sachwerte

Bei der Abschätzung der Risikogebiete waren daher nicht nur das Ausmaß und die Häufigkeit der Überflutung entscheidend, sondern auch, wie groß der mögliche Schaden in den betroffenen Gebieten ist.

Als Ergebnis dieser Bewertung wurden die Unterweser in der Stadtgemeinde Bremerhaven und in der Stadtgemeinde Bremen (von der nördlichen Landesgrenze bis zum Wehr in Hemelingen), die Mittelweser (vom Wehr in Hemelingen bis zur südlichen Landesgrenze) sowie die vier Geestgewässer Blumenthaler Aue, Beckedorfer Beeke, Ihle und Schönebecker Aue als Risikogewässer eingestuft. Die Ochtum, die Lesum und die Wümme sowie die Geeste werden von einem maßgeblichen Hochwasserereignis der Weser überlagert und mussten daher nicht individuell als Risikogewässer gemeldet werden.

Übersichtskarte Gemeldete Risikogewässer (pdf, 6.3 MB)

2. Stufe: Erstellung von Hochwassergefahrenkarten & Hochwasserrisikokarten

Für die Gewässer Weser (Unterweser & Mittelweser), Blumenthaler Aue, Beckedorfer Beeke, Schönebecker Aue und Ihle wurde als Ergebnis der vorläufigen Bewertung (1. Stufe bei der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie) ein besonderes Hochwasserrisiko festgestellt, daher wurden sie gegenüber der EU als Risikogewässer gemeldet. In der 2. Stufe der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie Gewässer sind für diese Gewässer Gefahrenkarten und Risikokarten erarbeitet worden.

In den Gefahrenkarten wurde das Ausmaß der Überflutung ermittelt, welches jeweils bei einem Hochwasserereignis mit:

  • hoher Wahrscheinlichkeit (ein Hochwasser, welches sich statistisch einmal in 20 bzw. 25 Jahren ereignet)
  • mittlerer Wahrscheinlichkeit (ein Hochwasser, welches sich statistisch einmal in 100 Jahren ereignet)
  • niedriger Wahrscheinlichkeit (extremes Hochwasser/Sturmflut)

auftritt.

Gefahrenkarte mit Darstellungen von Wassertiefen.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung von Wassertiefen.


Nach § 74 des Wasserhaushaltsgesetzes ist für ausreichend geschützte Küstengebiete, wie die der Unterweser in Bremen und Bremerhaven, nur die Berechnung eines Ereignisses mit niedriger Wahrscheinlichkeit (Extremereignis) erforderlich. Dafür wurde ein Sturmflutereignis ausgewählt, welches etwa alle 4.000 - 7.000 Jahre auftritt. Eine Besonderheit bei diesen Karten sowie bei der Gefahrenkarte der Mittelweser (Extremereignis) stellen die in Rottönen gekennzeichneten Flächen hinter Hochwasserschutzanlagen dar. Bei diesen sogenannten geschützten Gebieten handelt es sich um Gebiete, die nur überschwemmt werden, wenn keine Hochwasserschutzanlagen existieren würden oder diese vollständig versagen!

Gefahrenkarte mit Darstellungen von Wassertiefen in geschützten Gebieten.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung von Wassertiefen in geschützten Gebieten (Hochwasserschutzlinie in grün-schwarz).

Da es an der Schönebecker Aue, der Beckedorfer Beeke, der Blumenthaler Aue und der Ihle keine Hochwasserschutzanlagen gibt, sind in den entsprechenden Karten keine geschützten Gebiete dargestellt.Die Gefahrenkarten selbst entfalten keine direkte Rechtswirkung. Sie dienen vorrangig dazu, Betroffene sowie die für Hochwasserschutz und Gefahrenabwehr Verantwortlichen über bestehende Risiken zu informieren. Damit sind sie eine wichtige Grundlage für alle Maßnahmen des Hochwasserrisikomanagements. Mittelbare Rechtsfolgen ergeben sich jedoch aus Vorschriften für z.B. die Wasserwirtschaft und die Bauleitplanung sowie für die öffentlichen oder privaten Betroffenen selbst im Rahmen der Eigenvorsorge. Die Ergebnisse der Berechnungen für ein Ereignis mit mittlerer Wahrscheinlichkeit (HQ 100) bilden bei Mittelweser, Schönebecker Aue, Blumenthaler Aue, Beckedorfer Beeke und Ihle die Grundlage für die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten.

Für folgende Gewässer wurden Gefahrenkarten erstellt:

UNTERWESER BREMEN

UNTERWESER BREMERHAVEN

MITTELWESER

SCHÖNEBECKER AUE

BECKEDORFER BEEKE

BLUMENTHALER AUE

IHLE

Die Risikokarten bauen auf den Ergebnissen der Gefahrenkarten auf, aus denen die Ausdehnungen der Überschwemmungsflächen übernommen wurden. Zusätzlich dazu bieten die Risikokarten eine Vielzahl von weiteren Informationen:

Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung der betroffenen Einwohner.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung der betroffenen Einwohner.

Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner
Die potenziell betroffenen Einwohner wurden durch das Statistische Landesamt Bremen ermittelt und sind mit einem Symbol, der Zahlenangabe und dem Namen des Stadtteils angegeben.

Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung der Landnutzung.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung der Landnutzung.

Art der wirtschaftlichen Tätigkeit
Die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit wurde auf Grundlage der Daten des Digitalen Landschaftsmodells (DLM) ermittelt. In den Karten werden nur die von Überschwemmung betroffenen Flächen dargestellt.

Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung von betroffenen IVU-Anlagen.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung von betroffenen IVU-Anlagen.

Anlagen gemäß der IVU-Richtlinie
Bei IVU-Anlagen handelt es sich hauptsächlich um Industrieanlagen, bei deren Havarie erhebliche Umweltschäden entstehen können. Dargestellt werden nur die von Überschwemmung betroffenen Anlagen, die im Hochwasserfall unbeabsichtigte Umweltverschmutzungen verursachen können. Die IVU-Richtlinie wurde zwischenzeitlich in die IED-Richtlinie überführt.

Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung potentiell betroffenen Vogelschutz- und Naturschutzgebieten.
Beispielhafter Ausschnitt mit Darstellung potentiell betroffenen Vogelschutz- und Naturschutzgebieten.

Potenziell betroffene Schutzgebiete
In den Risikokarten werden die potentiell von Überschwemmungen betroffenen Wasserschutzgebiete, FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete dargestellt.

Beispielhafte Darstellung eines betroffenen Denkmals.
Beispielhafte Darstellung eines betroffenen Denkmals.

Kulturgüter (Denkmäler)
Die Daten zu den Denkmälern beinhalten Einzeldenkmäler, Denkmalensembles, Kulturgüter nach Haager Konvention.

Für folgende Gewässer wurden Risikokarten erstellt:

UNTERWESER BREMEN

UNTERWESER BREMERHAVEN

MITTELWESER

SCHÖNEBECKER AUE

BECKEDORFER BEEKE

BLUMENTHALER AUE

IHLE

3. Stufe: Hochwasserrisikomanagementplan Weser

Nach der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos 2011 und der Veröffentlichung der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten 2013 wurde nun auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse der Hochwasserrisikomanagementplan (HWRM-Plan) für die Flussgebietseinheit Weser erstellt. Die Erarbeitung des HWRM-Plans erfolgte in enger fachlicher und umweltpolitischer Zusammenarbeit mit den sieben Anrainerländern Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die sich in der Flussgebietseinheit Weser zusammengeschlossen haben.
Der HWRM-Plan wurde unter aktiver Einbeziehung und Beteiligung aller interessierten Stellen erarbeitet. Im Rahmen der strategischen Umweltprüfung (SUP) nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVPG) fand die Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Die eingegangenen Stellungnahmen wurden gesichtet und für die Endfassung des Planes berücksichtigt.

Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr legte im HWRM-Plan insgesamt 120 Einzelmaßnahmen fest, mit denen die Ziele der Hochwasserrichtlinie erreicht werden sollen. Die Maßnahmen lassen sich in die folgenden Schwerpunkte unterteilen:

  • Erstellung von Maßnahmenplänen wie dem Generalplan Küstenschutz Teil III (Schutzdeiche)
  • bauliche Maßnahmen im Zuge der Umsetzung des Generalplanes Küstenschutz Teil I (Festland) sowie zukünftig auch Teil III (Schutzdeiche) zur Minimierung des potentiellen Hochwasserrisikos der geschützten Gebiete hinter den Deichen
  • Maßnahmen in Gebieten vor der Hochwasserschutzlinie, wie die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten, konzeptionelle Maßnahmen, wie z.B. die Entwicklung eines Programms, anhand dessen das Gefährdungspotential in Gebieten wie dem Stadtwerder oder der Pauliner Marsch konkret beurteilt werden kann sowie ein Programm zur Durchführung der konzeptionellen Maßnahmen in den Überschwemmungsgebieten
  • Verbesserung der Information der Öffentlichkeit, wie z.B. durch den Ausbau des Angebotes im Internet sowie für Smartphones und Tablets

Nachfolgend stellen wir Ihnen den HWRM-Plan, den Umweltbericht und die zusammenfassende Umwelterklärung zur Verfügung:

Kontakt

Jens Wunsch

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Imke Rolker

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